Hmm, angenehme Temperatur. Ich spüre das weiche Leder. Mein Körper hat es aufgewärmt. Ich atme langsam ein, langsam aus. Der Geruch von Holz und alten Büchern steigt mir in die Nase. Leise läuft im Hintergrund die Schaltplatte. Beethovens Symphonie No 5. Ein Klassiker. Ich bin komplett entspannt, langsam tippe ich mit dem Finger zur Musik.

 

Ich muss an meine Kindheit zurückdenken. Wie alles noch so sorgenfrei war, kein Gedanke wurde an so schwachsinnige Dinge wie Geld oder Karriere verschwendet. Ich kann diese Leute nicht ausstehen die nur diesen Dingen hinterherrennen. Als ob Sie irgendetwas davon mitnehmen können wenn Ihr Lebenslicht langsam davonfliegt. Am liebsten würde ich diesen verblödeten Idioten den verdammten Schädel einschlagen. Ich muss bei dem Gedanken leicht lachen.

 

Es klopft dreimal laut an der Türe. Es hallt durch die ganze Vorhalle. Es ist wie ein schneller freier Fall und ich bin wieder in der Realität. Ich öffne langsam meine Augen und sitze in einem Büro. Vor mir ein Massiver Holzschreibtisch voller Akten. Links ein breites und Hohes Bücherregal das fast zu platzen scheint. Auf der rechten Seite eine kleine Musikanlage, ein alter Ledersessel und die Wand voller Diplome und Auszeichnungen. Als ob dieses bedruckte Papier jetzt noch irgendeinen Wert hat.

 

Wieder klopft es an der Türe. Dieses Mal stärker. Ich stehe auf, gehe zur Musikanlage und nehme vorsichtig die Nadel hoch. Die Musik erlischt. Ich verlasse das Büro durch eine große Türe und laufe einen großen Flur entlang. An den Wänden sind viele Fotos, glückliche Fotos. Diese jämmerlichen Idioten, halten sich immer an der Vergangenheit fest. Schaffen es nie im jetzt zu leben. Die meisten die kurz davor sind den Löffel abzugeben bereuen das, dass Sie nie getan haben. Der Großteil der Menschheit versteht das nicht, lieber kein Risiko eingehen und im sicheren zuhause vor dem Fernseher versauern.

 

Ich schaue am Fenster, vom 1. Stock, hinunter zur Eingangstüre. Hmm die Bullen. Haben´s die nun endlich auch geschafft Ihren Arsch hier her zu bewegen. An der Straße steht alles voll von gepanzerten schwarzen Autos. Spezialeinheit. Da ich die Türe nicht aufgemacht habe und nicht freiwillig rausgekommen bin, beginnt nun der übliche Text über das Megaphon. Kommen Sie raus, das Haus ist umstellt, bla bla bla…

 

Ich laufe zurück ins Büro, hebe meinen Revolver vom Boden auf und lade meine letzte Kugel nach. Verschließe die große Holztür, gehe zur Musikanlage und gehe die Plattensammlung durch.“ Lynyrd Skynyrd – Freebird“. Ich nehme die Platte vorsichtig heraus, lege sie ein, lasse die Nadel vorsichtig auflegen und leises knacksen wird hörbar. Lautstärke noch etwas hochgedreht dann lasse Ich mich in den Ledersessel fallen. Ich atme langsam ein, schließe die Augen und atme langsam aus. Die ersten Töne erklingen und ich lasse mich einfach fallen. Gebe mich der Musik hin in all Ihrer Herrlichkeit. Ich blende alles um mich herum aus, einfach nur die Musik hören. Jeden Ton aufsaugen. Die Eingangstür wird mit einem unüberhörbaren knall aufgebrochen. Unzählige Schritte trampeln in das Haus.

 

Jetzt sitze ich hier. Wie konnte es nur soweit kommen? Die Antwort ist so einfach aber doch ein Mysterium: Eine Frau!